Mitten in der Nacht wache ich auf. Vor meinem Bett auf dem Fußboden sitzt ein Tier und hüpft von einem Fuß auf den anderen. Es scheint auf etwas zu warten.

 

„Huhu!“, sage ich und bin mir nicht sicher, denn manchmal sieht man nachts Sachen, die gar nicht da sind.

Also mache ich das Licht an.

 

Das Tier hebt sein Köpfchen. Ohne Frage, es ist ein kleiner schwarzer Vogel mit hellem Schnabel, der mich frech anschaut.

 

„Kleiner Vogel, wie kommst du hier rein?“, frage ich.

„Ich bin ein Drache!“, sagt das Tier, „siehst du nicht meinen Schatten an der Wand?“

 

 

„Komm, wir gehen auf Mückenjagd!“, sagt der Vogel am nächsten Morgen.

Ich nicke verschlafen, dann stammele ich: „Ich esse kein Fleisch, nur ganz selten.“

„Dann ist heute eben selten!“, zwitschert der Vogel vergnügt. 

„Ab in den Garten! Ich bin ein Drache und Drachen brauchen Fleisch.“

Der Vogel-Drache ist schon vorausgeflattert und wartet und kratzt mit seinem kurzen weißen Schnabel an der Terrassentüre. Von der Terrasse führt eine kleine Treppe hinunter in den Garten. 

 

Wir suchen hier und da, Mücken finden wir nicht.

 

Dafür sehe ich eine Spinne und frage mich, wie es wohl ist, mit acht haarigen Beinen an einem Seil zu hängen.

    Kleiner Drache fliegt in großen Kreisen voraus.

Bis ich da bin. 

„Im Glückspilzwald!“, zwitschert Kleiner Drache.

Der Pilz, vor dem ich stehe, schaut mich freundlich an,

ja, tatsächlich habe ich das Empfinden, dass er mich anlächelt.

 

„Such dir doch einen aus!“ 

 

Ich blicke mich um. Überall stehen Pilze. 

 

„Welchen soll ich nehmen?“, rufe ich.

 

„Natürlich nimmst du den, der dich anlächelt!“, ruft Kleiner Drache zurück. 

„Und jetzt?“, frage ich.

 

 

Kleiner Drache landet neben mir. 

„Jetzt darfst du dir etwas vom Pilz wünschen und es geht in Erfüllung!“ Ich denke nach.

 

Die Waldtiere schlafen tief und fest.

 

„Ich möchte auch fliegen!“, sage ich, als Kleiner Drache verstummt ist, „lass uns zu meiner Linde gehen, in den Garten!“

 

Die Nacht ist mondhell und wir machen uns auf den Weg.

 

Die alte Linde steht gutmütig da und scheint auf uns zu warten. Schaukeln bei Nacht ist noch schöner als am Tag.

Die Luft ist warm und schaukeln ist wie fliegen. Der kleine Drache dreht Pirouetten um das Seil der Schaukel.

„Hui-hui-hui!“, ruft er dabei.

Und dann springe ich ab und lande im weichen Sand und merke, wie müde ich bin.

 

„Das war ein langer Tag!“, sage ich.

 

„Mir ist schlecht!“, keucht Kleiner Drache,

 

 

 

doch auf dem Weg zum Haus flattert er schon wieder aufgeregt vor mir her.

 

„Morgen ist es soweit!“, zwitschert er vergnügt, als wir im Zimmer sind.

„Was ist morgen?“, frage ich, ziehe die Schuhe aus und lasse mich auf das Bett fallen. Es ist so weich und bequem, dass ich nur noch ganz leise die Worte vernehme:

 

„Morgen machen wir uns auf nach …!“

 

Dann schlafe ich ein.